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Berichte                                   Städtereisen in der Woche

Unsere Fahrt nach Osnabrück am 31. Mai 2022

 

 

Am 31. Mai trafen wir uns mit 18 Netzwerkern zu einer Fahrt in die Friedensstadt Osnabrück. Die Meteorologen hatten für diesen Tag zwar nicht gerade trockenes Wetter angekündigt, aber wir blieben dennoch optimistisch. Und damit wir lagen richtig. Während es bei unserer Abfahrt in Duisburg noch regnete, wurde es ab dem Münsterland zunehmend trockener. Als wir dann in Osnabrück ankamen, gab es nur noch eine leichte Wolkendecke, die sich bis zum Nachmittag auflöste, so dass wir einen schönen Frühsommertag genießen konnten.

 

Infolge einer unvorhergesehenen Verzögerung verpassten wir zwar am Osnabrücker Hauptbahnhof unseren Anschluss zum dortigen Altstadtbahnhof, weshalb wir einen längeren Fußweg zu unserem eigentlichen Ziel in Kauf nehmen mussten. Dadurch lernten wir jedoch die Geschäftsstraßen in der Innenstadt kennen. Bei dieser Gelegenheit stellten wir immer wieder fest, dass es gelungen war, auch diesen Teil der Fußgängerzone attraktiv zu gestalten.

 

Für den Nachmittag hatten wir eine Stadtführung gebucht, die am Rathaus begann. Osnabrück wird neben Münster auch als Stadt des Westfälischen Friedens bezeichnet. Wie allgemein bekannt ist, fanden in Münster und Osnabrück die Verhandlungen zur Beendigung des 30-jährigen Krieges statt, wobei Münster der Tagungsort der katholischen Seite war, während die Gesandten der evangelischen Parteien in Osnabrück tagten. Dementsprechend begann die Führung auch im Friedenssaal des Rathauses, in dem im Jahr 1648 der Friedensschluss besiegelt wurde.

 

Nach dem Friedensschluss wurde zur Klärung der kirchlichen und weltlichen Verhältnisse in Osnabrück das Jahr 1624 als sogenanntes Normaljahr festgelegt. Das bedeutete, dass alle Kirchen wie beispielsweise die beiden großen Stadtkirchen St. Marien und St. Katharinen, an denen im Jahr 1624 evangelische Prediger tätig waren, weiterhin evangelisch blieben. Die gleiche Regelung galt auch für katholische Kirchen.

 

Weiterhin gab es eine Sonderregelung für die weltliche Seite. Da sich im Hochstift Osnabrück weder die Reformation vollständig durchsetzen konnte noch die Versuche einer Rekatholisierung Erfolg hatten, konnte man das Gebiet als einen konfessionellen Flickenteppich betrachten. Deshalb wurde vereinbart, dass von nun an katholische und evangelische Fürstbischöfe abwechselnd die Herrschaft über das Bistum ausübten. Die katholischen Fürstbischöfe wurden wie bisher vom Domkapitel gewählt, während die evangelischen Landesherren aus dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg kamen. Die konfessionelle Zugehörigkeit der Untertanen blieb davon unberührt. Diese Regelung hatte bis zur Säkularisierung der geistlichen Besitztümer im Jahr 1803 Bestand. Weil der letzte Fürstbischof evangelisch war, kamen das Hochstift und die Stadt an das Kurfürstentum Hannover. Wie uns der Stadtführer erklärte, war diese Zugehörigkeit wohl auch mit einer der ausschlaggebenden Punkte, dass im Zuge der politischen Neugestaltung nach dem zweiten Weltkrieg Osnabrück als eigentlich westfälische Stadt dem Bundesland Niedersachsen zugeordnet wurde.

 

Nach einem kurzen Besuch der St. Marien-Kirche mit ihrem sehenswerten Flügelaltar setzten wir unseren Stadtrundgang fort. Osnabrück hatte durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs stark gelitten, jedoch war es beim Wiederaufbau gelungen, auch einiges von der historischen Bausubstanz der Altstadt zu erhalten. Das Ziel unserer Stadtführung war der Dom. Dort fielen uns sofort die beiden ungleichen Türme der Westfassade auf. Unser Stadtführer erklärte den Unterschied damit, dass es zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem Bischof nicht gefiel, dass der Turm der Bürgerkirche St. Katharinen, der mit 103,5 Metern Höhe auch heute noch der höchste Kirchturm in Niedersachsen ist, die Domtürme überragte. Deshalb wurde der südliche der beiden romanischen Türme abgetragen und durch einen gotischen mit einer hohen Spitze ersetzt, womit aus Sicht des Bischofs die Ordnung wohl wieder hergestellt war (Anmerkung: Auf Wikipedia ist auf einem Stich von Merian aus dem Jahr 1647 der Dom mit den beiden unterschiedlich hohen Türmen zu sehen). Später erhielt der Turm anstelle der gotischen Spitze eine Barockhaube, die allerdings durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs verloren ging. Nach einer kurzen Besichtigung des Doms und seinem romanischen Kreuzgang endete unsere wieder einmal sehr interessante Stadtführung.

 

Bis zur Abfahrt ergab sich dann noch die Gelegenheit, sich ein wenig in der Stadt umzusehen oder auch im Gartenbereich eines Cafés den sonnigen Tag zu genießen.

 

 

Manfred Winkler

 

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Roswitha Nieschulze

 

 

Fahrt auf der Ruhr von Mülheim nach Kettwig am 3. Mai 2022

 

 

Für den 3. Mai 2022 hatten die Meteorologen eigentlich einige wenige Sonnenstunden und ansonsten durchwachsenes Wetter vorausgesagt. Entgegen dieser Prognose schien die Sonne bereits am frühen Morgen von einem strahlend blauen Himmel, und auch die Temperaturen waren durchaus der Jahreszeit angepasst.

 

Bei diesen idealen Witterungsbedingungen bestiegen wir an diesem Tag mit 27 Mitgliedern unserer Reisegruppe am Wasserbahnhof in Mülheim das Fahrgastschiff „Friedrich Freye“ der Weißen Flotte  zu einer Fahrt auf der Ruhr nach Kettwig. Und bei dem schönen Wetter war es dann auch möglich, die Fahrt auf dem offenen Achterdeck zu genießen. Wie man den Gesprächen entnehmen konnte, war das Ruhrtal zwischen Mülheim und Kettwig etlichen von uns durch frühere Ausflüge, Wanderungen oder auch Radtouren bekannt. Und als wir an einem Campingplatz vorbeifuhren, auf dem man in farbenfrohen umgebauten Bauwagen nächtigen kann, stellten wir fest, dass dieser Platz bereits schon einmal in der WDR-Sendung „Wunderschön“ vorgestellt worden war.

 

Nach etwa 50 Minuten waren wir in der kleinen, ehemals selbständigen, Stadt Kettwig angekommen, dessen Altstadt auf jeden Fall einen Besuch lohnt. Von der Brücke am Mühlengraben, die direkt hinter der Anlegestelle liegt, konnten wir den Panoramablick bis hinauf zur evangelischen Marktkirche genießen. An diesem Mühlengraben befand sich im 14. Jahrhundert wohl bereits eine erste Kornmühle. Und wenn man den historischen Berichten Glauben schenken darf, wurde um diese Zeit in Kettwig sogar Wein für die Äbte des Klosters in Werden angebaut. Später wurde Kettwig als Tuchmacherstadt reich, woran heute der Tuchmacherplatz mit einer modernen Bronzeskulptur erinnert.

 

Nachdem wir die Brücke am Mühlengraben überquert hatten, befanden wir uns unmittelbar in der Altstadt, die als eines der schönsten Fachwerkensembles im Ruhrgebiet gilt. Und nach einem kurzen, wenn auch etwas anstrengenden, Weg gelangten wir über die aufsteigende Kirchtreppe hinauf zu der Marktkirche, die sich über dem Ortskern erhebt. Dort angekommen, steuerten wir zunächst ein Lokal an, in dem wir unser Mittagessen im Freien genießen konnten. Weil außer uns noch etliche andere Ausflügler das schöne Wetter genutzt hatten, mussten wir wohl etwas länger auf unsere Bestellungen warten, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

 

Bis zu unserer Rückfahrt gab es dann noch genügend Möglichkeiten, sich innerhalb der Stadt umzusehen. Und wie man feststellen konnte, gab es dort nicht nur etliche Lokale und Cafés, sondern auch Geschäfte mit diversen Einkaufsmöglichkeiten, die insbesondere bei den mitgereisten Damen einen positiven Eindruck hinterließen.

 

 

Manfred Winkler

 

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Roswitha Nieschulze, Manfred Winkler

Besuch des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort
am 23.März 2022

 

 

Am 23. März 2022 besuchten wir mit 20 Netzwerkern das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort. Das Museum wurde 1974 durch die „Gesellschaft zur Förderung des Museums Der Deutschen Binnenschiffahrt“ gegründet. Im selben Jahr konnte die Gesellschaft auch das Museumsschiff „Oskar Huber“, das heute an der Ruhrpromenade in Duisburg-Ruhrort vor Anker liegt, erwerben. 1979 erfolgte der Einzug der ersten Sammlung in das alte Ruhrorter Rathaus. Im Jahr 1998 erfolgte dann der Umzug in das ehemalige Hallenbad, durch dessen Größe die zahlreichen Exponate besser zur Geltung kommen.

 

Das Museum bietet einen Überblick über die Geschichte der Schifffahrt, eigentlich von der Steinzeit angefangen bis in die Gegenwart. So kann man unter anderem neben verschiedenen Original-Ausstellungsstücken auch detailgetreue Modelle von Schiffen sowie von Hafen und Werftanlagen besichtigen.

 

Dabei wird gleichzeitig die große wirtschaftliche Bedeutung der Rheinschifffahrt aufgezeigt. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt gab es auf dem Rhein auch einen beträchtlichen Personenverkehr, der aber später zugunsten der Eisenbahn zurückging. Viele Passagiere waren Auswanderer, die sich vor allem in Amerika ein besseres Leben versprachen. In diesem Zusammenhang ist die „Rhein-Dampfschiffahrt Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft“ zu nennen, die unter dem heutigen Namen „Köln-Düsseldorfer“ vor allem Ausflugsfahrten anbietet.

 

Seit jeher war auch der Transport von Gütern auf dem Wasserweg von großer Bedeutung. Mit der Dampfschifffahrt kamen die Schleppzüge auf, die aus einem Dampfschiff als Schlepper und bis zu 8 Schleppkähnen bestanden. Einige von uns konnten sich noch daran erinnern, solche Schleppzüge in ihrer Jugend gesehen zu haben. Mit der Möglichkeit, die Lastkähne mit Dieselmotoren zu Selbstfahrern umzurüsten, kam dann das Ende der Schleppzüge. Heute ist die Schubschifffahrt, mit der von einem Schubboot bis zu 6 antriebslose Schubleichter befördert werden können, weit verbreitet.

 

Das Museum zeigt ferner Gegenstände aus dem Leben der Binnenschiffer sowie auch das Innere einer Ruhrorter Kneipe. Wie wir während unserer sehr interessanten Führung erfuhren, waren diese Kneipen durchaus eine Art sozialer Anlaufpunkt, die mitunter sogar als Adresse für die Post der Schiffer dienten.

 

Wie bereits anfangs erwähnt, befindet sich das heutige Museum in einem ehemaligen Hallenschwimmbad. In dem Becken der sogenannten Herrenschwimmhalle ist die holländische Tjalk „Goede Verwachting“ zu sehen, ein mit gehissten Segeln ausgestatteter Frachtensegler aus dem Jahr 1913. In der früheren Damenschwimmhalle gibt es einen begehbaren Nachbau eines Binnenschiffs, der als Spielschiff, z. B. für Schulklassen oder heute auch für Kindergeburtstage, sowie als Veranstaltungsfläche genutzt werden kann. Im Innenhof des Museums kann noch ein früherer Bilgenentöler besichtigt werden, der in der Binnenschifffahrt Ölabfälle von Motorschiffen eingesammelt und entsorgt hat.

 

Nach dem Museumsbesuch schloss sich ein kurzer Spaziergang in das Zentrum von Ruhrort an, wo wir die Fahrt mit einer gemütlichen Kaffeerunde abschlossen.

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Manfred Winkler

Fahrt zum Parkleuchten im Grugapark Essen am 1. März 2022

 

 

Nach einer Corona-bedingten Zwangspause konnte in diesem Jahr wieder das Parkleuchten in der Essener Gruga stattfinden. Diese Veranstaltung hatten wir bereits in den vergangenen Jahren einige Male besucht, und wir waren immer wieder davon begeistert gewesen. Deshalb beschlossen wir, auch in diesem Jahr wieder nach Essen zu fahren. Leider hatten wenige Tage zuvor zwei kurz aufeinander folgende Tiefdruckgebiete mit heftigem Sturm große Schäden angerichtet, und es war davor gewarnt worden, Wälder und Parkanlagen in den nächsten Tagen zu betreten. Auch der Essener Grugapark war davon betroffen gewesen. Deshalb mussten wir die Fahrt um eine Woche verschieben und machten uns dann am 1. März mit einer kleineren Gruppe von 11 Teilnehmern auf den Weg. Erfreulicherweise meinte es das Wetter dieses Mal wesentlich besser mit uns.

 

Die Lichtkünstler hatten sich auch in diesem Jahr wieder etliches Neues einfallen lassen, und wir konnten zusammen mit vielen anderen Besuchern die bunte leuchtende Parklandschaft auf uns wirken lassen. Mit den beigefügten Bildern möchten wir versuchen, dem Betrachter einen möglichst weiten Überblick zu vermitteln, und dennoch können wir nur einen kleinen Teil der vielfältigen Eindrücke wiedergeben.

 

Und so waren sich hinterher nicht nur die Hobbyfotografen unter uns einig, dass sich auch der diesjährige Besuch des Parkleuchtens wieder gelohnt hatte.

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Rosie Fritzen, Manfred Winkler

Besuch der Ausstellung „UNSER LAND – 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“
in Düsseldorf am 25. Januar 2022

 

Für unsere erste Fahrt im neuen Jahr hatten wir einen Besuch der Ausstellung „UNSER LAND – 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“ in Düsseldorf ausgewählt und uns am 25. Januar 2022 mit 19 Teilnehmern auf den Weg dorthin gemacht. Diese Ausstellung behandelt die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen seit seiner Gründung im Jahr 1946 bis in die Gegenwart. Sie findet im Behrensbau, der ehemaligen Hauptverwaltung der Mannesmann-Röhrenwerke, statt. Da der Behrensbau von Vodafone, das im Jahr 2000 den Mannesmann-Konzern übernommen und zerschlagen hatte, nicht mehr benötigt wurde und deshalb leer stand, hat das Land Nordrhein-Westfalen das Gebäude übernommen. Es soll nach und nach zu einem Haus der Geschichte für das Land NRW ausgebaut werden. Dementsprechend ist die Ausstellung zur Landesgeschichte noch nicht vollständig und soll innerhalb der nächsten Jahre stetig erweitert werden.

 

Für unseren Besuch der Ausstellung hatten wir das Angebot des Veranstalters, eine Führung zu buchen, gern angenommen. So war es uns bei der Vielzahl der Exponate möglich, einen strukturierten Überblick über die Geschichte unseres Landes zu erhalten.

 

Zunächst erhielten wir durch unsere sehr gute Führerin einen Einblick in die Geschichte des Behrensbaus. Dieses Gebäude ist nach seinem Architekten Behrens benannt, und wir erfuhren, dass unter anderem auch Mies van der Rohe, der durch das Bauhaus in Dessau bekannt geworden ist, zu seinen Schülern gehörte.

 

Es ist weitestgehend bekannt, dass 1946 auf Anweisung der britischen Besatzungsmacht aus dem nördlichen Teil der ehemaligen preußischen Rheinprovinz und aus Westfalen das Land Nordrhein-Westfalen entstand. Was allerdings niemand von uns wusste, dass es bereits während der Weimarer Republik Bestrebungen zu einer Vereinigung der beiden Landesteile gab. Der Grund dafür war hauptsächlich, dass das Ruhrgebiet als Zentrum der deutschen Schwerindustrie verwaltungsmäßig vereinheitlicht werden sollte. Dieser Plan wurde jedoch nicht realisiert.

 

Im Jahre 1947 wurde Nordrhein-Westfalen noch durch das kleine Land Lippe Detmold erweitert. Lippe konnte damals jedoch auswählen, ob es zu Nordrhein-Westfalen oder zum Land Niedersachsen gehören wollte. Offensichtlich gab das Angebot von NRW, Detmold zum Sitz eines Regierungsbezirks zu machen, den Ausschlag.

Aus den gezeigten verschiedenen Entwürfen für ein Landeswappen ist deutlich erkennbar, wie sich die einzelnen Landesteile dargestellt wissen wollten. Schließlich wurde der Entwurf des Düsseldorfer Malers und Heraldikers Wolfgang Pagenstecher in überarbeiteter Form im Februar 1948 per Regierungserlass eingeführt.

 

Anfangs fehlten infolge der Kriegszerstörungen auch die geeigneten Räumlichkeiten für die Arbeit der Landespolitiker. So wurden unter anderem auch von der Düsseldorfer Firma Henkel Räume zur Verfügung gestellt, wie man an der Persil-Werbung auf einem Foto erkennen kann, das die Landespolitiker bei ihren Beratungen zeigt.

 

Ein größerer Teil der Ausstellung ist der Nachkriegszeit gewidmet. Es geht unter anderem darum, wie die größte Not in dieser Zeit gelindert werden kann. So ist die Predigt des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings am Silvesterabend 1946 in die Geschichte eingegangen, in der er legalisierte, dass man, um sich und seine Familie vor dem Verhungern und Erfrieren zu retten, auch das nehmen dürfte, was man durch Arbeit allein nicht bekommen kann. So machten die pragmatischen Kölner aus dem „Kohlenklau“ den Begriff des „Fringsens“.

Aber auch in den Grenzregionen blühte der Schmuggel. Da wurde von dem katholischen Pfarrer eines Eifeldorfs nahe der belgischen Grenze berichtet, der als Sühne einen Anteil der Schmuggelware für sich forderte, wenn ihm seine Gemeindeglieder beichteten, dass sie sich am Schmuggeln beteiligt hatten.

 

Thematisiert wird weiterhin die Eingliederung der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Eine wesentliche Aufgabe ist dabei der Wiederaufbau sowie die Erstellung von Neubauwohnungen.

Dann geht es dabei auch um beträchtliche Gebietsabtretungen, die die Niederlande 1945 als Reparation beanspruchten. So wurden Teile von Norddeutschland bis nach Oldenburg, das Emsland, die Gebiete um Münster und Osnabrück sowie große Teile des Rheinlands gefordert. Diese Ansprüche, die aber auch in Holland nicht überall Zustimmung fanden, lehnten die westlichen Besatzungsmächte allerdings ab. Es fanden nur einige kleine Gebietsabtretungen statt, so das Gebiet um Elten, im Selftkant-Gebiet und in der Grafschaft Bentheim. Diese Gebiete wurden am 1. August 1963 wieder an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben.

 

Ein weiteres wesentliches Thema in dem neuen Bundesland war die Schulpolitik. So setzte die von der CDU geführte Landesregierung die Einführung von Konfessionsschulen durch. Aus dieser Zeit waren Schulbücher sowohl für katholische als auch für evangelische Schulen mit konfessionsspezifischen Unterschieden ausgestellt. So gab es zu einem bestimmten Thema im Buch für katholische Schulen ein Marienbild, während in der gleichen Ausgabe für die evangelischen Schulen stattdessen die Wartburg abgebildet war mit dem Hinweis, dass Martin Luther dort einige Zeit verbracht hatte.

 

Das sich an die Nachkriegszeit anschließende Wirtschaftswunder ließ auch Nordrhein-Westfalen aufblühen. In diesen Zeiten wurde dabei die Mitbestimmung der Arbeitnehmer gefordert. In der Ausstellung ist zu sehen, wie für die Montanindustrie zwischen dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Hans Böckler eine entsprechende Einigung erzielt wird. Da in diesen Zeiten der Vollbeschäftigung Arbeitskräfte knapp sind, werden zusätzliche Arbeitskräfte zunächst aus Italien, Spanien und Portugal angeworben, die sogenannten Gastarbeiter. Im Jahr 1964 wurde ein portugiesischer Arbeitnehmer als millionster „Gastarbeiter“ in Deutschland begrüßt und erhielt als Geschenk ein Moped, das auch zu sehen ist. Die Vermutung der damaligen Politik, dass diese Menschen in Deutschland einige Jahre arbeiten und dann zurück in ihr Heimatland gehen, hat sich nicht bestätigt. Viele sind geblieben und haben sich in Deutschland eine Existenz geschaffen.

 

In diesem Zusammenhang befasst sich die Ausstellung auch mit dem Strukturwandel in der Montanindustrie, wie z. B. den Zechenschließungen sowie dem am Ende vergeblichen Kampf der Beschäftigten um das Krupp-Hüttenwerk in Rheinhausen.

 

Leider kommen die Aussteller auch nicht umhin, sich mit verschiedenen extremen politischen Gruppierungen zu befassen. Da gibt es die Hetze gegen Asylbewerber („Das Boot ist voll“) und Anschläge gegen Zuwanderer wie den Brandanschlag in Solingen. Es bleibt in diesem Zusammenhang allerdings auch der glücklicherweise nicht gelungene Anschlag mit einer Nagelbombe in einem Regionalzug in Köln während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 nicht unerwähnt.

 

Abschließend behandelt die Ausstellung nochmals die wirtschaftliche Kraft von Nordrhein-Westfalen mit kleineren Schwerpunkten außerhalb des Ruhrgebiets.

 

Nach dem Rundgang waren wir uns durchweg einig, einen sehr interessanten Nachmittag verbracht zu haben. Einige werden sich sicher noch einmal auf den Weg machen und die Ausstellung, die noch bis August dieses Jahres geöffnet ist, nach eigenen Interessen besuchen.

 

Manfred Winkler

 

Bilder: Irmgard Monderkamp

Besuch des Weihnachtsmarkts in Soest am 23. November 2021

 

Leider hatte uns die Corona-Pandemie im zurückliegenden Jahr des Öfteren einen Strich durch unsere Planungen gemacht. Unsere Fahrten, die wir dann im 2. Halbjahr wieder unternehmen durften, konnten deshalb auch immer nur unter Vorbehalt erfolgen. Auch unsere eigentlich vorgesehene Fahrt zu einem besonderen Weihnachtsmarkt mit einem Kunsthandwerker-Basar auf Schloss Burg wurde aus den hinreichend bekannten Gründen bereits im Vorfeld von dem Veranstalter abgesagt.

 

Als Alternative bot sich da der Weihnachtsmarkt in Soest an, den wir bereits 2 Jahre vorher als eine stimmungsvolle Veranstaltung kennengelernt hatten. Die Touristik in Soest bestätigte uns, dass der Weihnachtsmarkt auf jeden Fall am 22. November 2021 eröffnet werden und vorbehaltlich der geltenden Bestimmungen bis auf weiteres auch stattfinden sollte. Und so machten wir uns direkt am 23. November mit 14 Personen auf den Weg dorthin. Es war ein grauer und nebliger Herbsttag, der allerdings die Lichter des Weihnachtsmarktes und die verschiedenfarbig angeleuchteten Kirchen in der Altstadt gut zur Geltung kommen ließ. Zwar war es auch hier deutlich erkennbar, dass die Abstände zwischen den einzelnen Ständen wesentlich größer waren als bei unserem ersten Besuch, ebenso war die Besucherzahl an diesem Nachmittag auffallend geringer, allerdings wurde man durch die auch in diesem Jahr sehr schöne Gestaltung auf die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit eingestimmt.

 

Alle diejenigen, die an der Fahrt teilgenommen hatten, waren von der doch recht stimmungsvollen Atmosphäre angetan und äußerten sich sehr zufrieden darüber. Für das neue Jahr wünschen wir uns, dass die verschiedenen Maßnahmen endlich die erhoffte Wirkung zeigen und dass wir wieder häufiger unterwegs sein dürfen.

 

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Reinhard Lorenz, Manfred Winkler

 

Besuch der Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ im Gasometer Oberhausen am 26. Oktober 2021

 

Die Ausstellungen, die im Gasometer Oberhausen stattfinden, sind immer wieder einen Besuch wert. Nachdem wir schon im Juli 2016 die Ausstellung „Wunder der Natur“ und im Jahr 2018 „Der Berg ruft“ besucht hatten, waren wir darauf gespannt, was wir von der aktuellen Ausstellung mit dem Titel „Das zerbrechliche Paradies“ zu erwarten hätten. Und so machten wir uns dann am 26. Oktober 2021 mit 22 Netzwerkern auf den Weg nach Oberhausen. Obwohl viele Besucher den Weg zum Gasometer gefunden hatten, gab es für uns keine langen Wartezeiten an der Kasse, und die einzelnen Exponate konnten problemlos besichtigt werden. Dass man wohl auf Grund der Corona-Schutzmaßnahmen eine Maske tragen und Abstand halten musste, wirkte sich kaum störend aus.

 

Die erste Ausstellung nach der Sanierung des Oberhausener Wahrzeichens zeigt Tiere und Pflanzen in ihren sich verändernden Lebensräumen. Dazu behandelt sie passend zur derzeitigen Diskussion über den Klimawandel den Eingriff des Menschen in das fragile Ökosystem der Erde. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um ein neues Thema. Aus vielen Überlieferungen wird immer wieder von Katastrophen berichtet, die über die Menschheit hereingebrochen sind und beinahe das gesamte Leben auf der Erde ausgelöscht haben. In unserem Kulturkreis ist vor allem die biblische Geschichte von der Arche bekannt, in der Noah mit seiner Familie und einem Paar von jeder Tiergattung die Sintflut überlebt hat. Diese Geschichte hat auch das Gemälde „Arche Noah auf dem Berg Ararat“ des flämischen Malers Simon de Myle aus dem Jahr 1570 zum Thema. Auf dem Foto dieses Gemäldes ist zu sehen, wie Noah die Tiere nach der Landung der Arche in die Freiheit entlässt und damit Menschen und Tiere die Welt wieder in Besitz nehmen. Heute müssen wir erleben, dass das Streben des Menschen nach mehr Wachstum und Gewinn sowie die rigorose Ausbeutung von Bodenschätzen dazu führt, dass viele Lebensräume immer mehr eingeschränkt werden.

Der zunehmende Bedarf an Nahrungsmitteln, verbunden mit der Abholzung von riesigen Waldgebieten zur Gewinnung von Acker- und Weideland, trägt weiterhin dazu bei, dass sich das Klima in absehbarer Zeit verändern wird, weil damit der CO2-Ausstoß nicht mehr ausreichend eliminiert wird. Es ist zu befürchten, dass infolge der dadurch verursachten Erderwärmung der Meeresspiegel ansteigt und deshalb Land- bzw. Siedlungsgebiete verloren gehen, ferner das große Schäden durch extreme Witterungsverhältnisse entstehen werden.

 

Ein kleiner Teil dieser Ausstellung behandelt auch das Problem des explosionsartigen Anwachsens der Erdbevölkerung und die damit verbundenen Folgen. Forscher vermuten, dass bei dem jetzigen Anstieg der Bevölkerungszahlen zum Ende des 21. Jahrhunderts voraussichtlich 10 Mrd. Menschen auf unserem Planeten leben werden. Diese große Anzahl von Menschen benötigt Energie und Nahrungsmittel, und es steht bereits fest, dass die heute bekannten Ressourcen nicht ausreichend sind, um diesen Bedarf zu decken. Deshalb wird eine große Herausforderung für die Politik künftig darin bestehen, in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern Überzeugungsarbeit dahingehend zu leisten, dass nicht möglichst viele Kinder die Versorgung im Alter sicherstellen, sondern dass durch ein entsprechendes Sozialsystem das Bevölkerungswachstum in Grenzen gehalten werden kann und damit die Ressourcen unserer Erde auch dann noch ausreichend zur Verfügung stehen, was letztlich auch dem Klima zugutekommen dürfte.

 

Ein weiteres Thema sind der ausufernde Konsum und damit verbunden die ständig anwachsenden Müllberge. Dabei wird unter anderem auch die Plastikabfälle hingewiesen, die vielfach in die Meere entsorgt werden und die dortige Tierwelt gefährden. Leider ist man offensichtlich noch nicht in der Lage, ausreichende Mengen an Müll zu recyceln. Auch diesem Thema muss mehr Beachtung geschenkt werden, damit das empfindliche Ökosystem unserer Erde nicht weiter über Gebühr belastet wird.

 

Im oberen Stockwerk erwartet die Besucher eine weitere Attraktion. Dort hängt eine 20 Meter große Erdkugel an der Decke des Gasometers, auf die Satellitenbilder projiziert werden, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zur Verfügung gestellt werden. Damit wird dem Besucher noch einmal vor Augen geführt, welche großen Aufgaben zum Erhalt unseres Planeten zu bewältigen sein werden.

 

Erfreulicherweise hat aber auch bereits vielfach ein Umdenken stattgefunden, was passend zum Ruhrgebiet anschaulich am Beispiel der Emscher dargestellt wurde. Dieser kleine Nebenfluss des Rheins wurde über viele Jahre hinweg zum Entsorgen der ungeklärten Abwässer genutzt, so dass er auch als der schmutzigste Fluss in Deutschland und als „Kloake des Ruhrgebiets“ galt. Inzwischen sind aber bereits zahlreiche inzwischen abwasserfreie Abschnitte renaturiert worden, und bis Ende 2021 will die Emschergenossenschaft die Emscher komplett vom Abwasser befreit haben.

 

Auf dem Rückweg waren wir uns durchweg einig, dass auch diese Ausstellung wieder einmal einen Besuch wert war. Sie bot viele interessante Eindrücke, die manchen Besucher zum Nachdenken angeregt haben dürften.

 

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Manfred Winkler

 

Unsere Fahrt nach Münster in Westfalen  am 22. September 2021

 

Am 22. September waren wir wieder mit 25 Teilnehmern unterwegs. Das Ziel war dieses Mal Münster in Westfalen. Obwohl wir die Stadt bereits zwei Mal zur Zeit des Weihnachtsmarktes besucht hatten, erschien sie uns auch ohne diese Veranstaltung ein lohnendes Ziel zu sein. Das Wetter zeigte sich an diesem Herbstanfang von seiner schönsten Seite, und damit stellte sich erneut heraus, dass der spöttische Spruch „In Münster - entweder es regnet oder die Glocken läuten“ nicht immer zutrifft.

 

Ein bevorzugter Anlaufpunkt nach unserer Ankunft war der Wochenmarkt auf dem Platz vor dem Dom. Dieser Markt ist weit über Münster hinaus bekannt und zieht mit seinem Flair und dem üppigen Angebot jeden Mittwoch und Samstag die Besucherströme in die Innenstadt. Das machte sich für uns auch bemerkbar, als wir danach einen Platz für das Mittagessen suchten. Das bekannte Restaurant „Kiepenkerl“ war außerstande, unsere Gruppe unterzubringen. Jedoch hatten wir das Glück, wenige Schritte weiter ebenfalls ein gutes Lokal zu finden.

 

Nach dem Mittagessen startete dann am historischen Rathaus unsere Stadtführung. Hier ist wieder einmal ein großes Lob für den Stadtführer angebracht, der es verstand, uns seine Stadt lebendig und gleichzeitig unterhaltsam nahe zu bringen. Zur Einführung erfuhren wir, dass der Prinzipalmarkt mit seinen Giebelhäusern während des zweiten Weltkriegs stark zerstört worden war. Man entschied sich jedoch im Gegensatz zu anderen Städten, die historischen Fassaden wiederherzustellen. Viele Städte hatten damals wenig Verständnis für diese Entscheidung der Münsteraner, allerdings beneiden sie heute Münster vielfach dafür. Danach folgten einige Erläuterungen zu dem gotischen Rathaus. Der Giebel sollte ursprünglich die Stationen darstellen, die der Mensch durchlaufen muss, um von seinem irdischen Dasein in das Paradies zu gelangen. Bekanntheit erlangte das Rathaus vor allem durch den Westfälischen Frieden, mit dem im Jahr 1648 der 30-jährige Krieg beendet wurde. Allerdings war der im Rathaus befindliche Friedenssaal kein Ort der Verhandlungen, sondern ein Saal für Feierlichkeiten. Für uns war es auch neu, dass ursprünglich Köln für die katholische Kriegspartei und Hamburg für die evangelische Seite als Verhandlungsorte vorgesehen waren. Da diese Städte jedoch weit auseinanderlagen und die Kommunikation zwischen den Parteien sich damit wesentlich in die Länge gezogen hätte, entschied man sich letztlich für Münster und Osnabrück. Die Friedensverhandlungen begannen bereits im Jahr 1643, da jedoch auch die Herrscherhäuser der Kriegsgegner den ausgehandelten Ergebnissen schlussendlich zustimmen mussten und die Wege zu den Residenzen oftmals sehr lang waren, zogen sich die Verhandlungen bis 1648 hin.

 

Anschließend ging es weiter zum Domplatz, wo inzwischen der Wochenmarkt weitestgehend abgebaut worden war. An einer Hauswand machte uns der Stadtführer auf ein recht unscheinbares Schild mit einem Datum und einer bestimmten Uhrzeit im Jahr 2024 aufmerksam. Auf die Frage hin, was dieses Schild denn zu bedeuten hätte, erfuhren wir, dass es sich dabei um ein Kunstobjekt  handelt. Der Künstler möchte damit darauf aufmerksam machen, dass in den heutigen Zeiten infolge der sozialen Netzwerke die persönlichen Kontakte zwischen den Menschen und damit auch das persönliche Gespräch sehr zurückgegangen sind. Dagegen treffen sich die Menschen zu dem auf dem Schild angegebenen Zeitpunkt vor jener Hauswand und warten auf das, was passieren wird. In der Regel passiert lediglich, dass ein Mitarbeiter der Stadt erscheint, das Schild entfernt und ein neues Schild mit einem 3 Jahre späteren Datum anbringt. Die Zuschauer dieses Ereignisses sind auf jeden Fall wie beabsichtigt miteinander ins Gespräch gekommen, und wie uns der Stadtführer erklärte, ist dieses Schild bereits das dritte seiner Art.

 

Die nächste Station unserer Führung war der St.-Paulus-Dom mit seiner Astronomischen Uhr, die in den Jahren1540 – 1542 gebaut wurde und die sowohl die Planeten, das Kalendarium als auch die Uhrzeit anzeigt. Der Dom hatte ebenfalls durch die Zerstörungen des Krieges gelitten. Beim Wiederaufbau wurde dann die Giebelwand zwischen den beiden Türmen anstelle des vorherigen gotischen Fensters mit einer modernen Fensterrosette versehen, die allerdings auf vielfache Ablehnung stieß. Diese Fensterrosette wurde von etlichen Kritikern in Anlehnung an die damals noch gebräuchliche Telefon-Wählscheibe spöttisch als die „Wählscheibe Gottes“ bezeichnet. Der äußere Kranz der Rosette besteht aus 12 runden Fenstern, die die 12 Apostel symbolisieren. In der Mitte befinden sich 4 weitere Fenster, die für die Evangelisten stehen. Bei einem entsprechenden Stand der Sonne wird durch die farbigen Rundfester der hintere Teil des Kirchenraums beeindruckend in ein buntes Licht getaucht. Im Kreuzgang wurden wir dann auf ein in die Wand eingelassenes Relief aufmerksam gemacht, in dem den Figuren die Köpfe fehlten und die auch sonstige Beschädigungen aufwiesen. Wie uns der Stadtführer erklärte, ist wurde dieses Relief durch die Bilderstürmer während der Zeit der Wiedertäufer zerstört. Alle übrigen Reliefs mit unbeschädigten Figuren sind dagegen zu späterer Zeit entstanden.

 

Nicht weit entfernt vom Dom steht die St.-Lambertikirche. Wie der Stadtführer erklärte, ist diese vor allem durch die am Turm hängenden Wiedertäufer-Käfige bekannt. Die Wiedertäufer waren eine während der Reformation entstandene kleine radikale Bewegung, die vor allem die Erwachsenentaufe befürworteten und die Kindertaufe ablehnten. Sie konnten zu Beginn der 1530er Jahre in der eigentlich der Reformation zugewandten Stadt die Herrschaft übernehmen und übten damit durch ihre radikalen Anschauungen eine Schreckensherrschaft aus. Nachdem die Stadt durch die Truppen des Fürstbischofs belagert und schließlich wieder eingenommen werden konnte, wurde den 3 Anführern der Bewegung der Prozess gemacht und diese auf dem Platz vor der Lambertikirche zu Tode gefoltert. Ihre Körper wurden in den eisernen Käfigen am Turm der Kirche „zur Warnung und zur Abschreckung“ zur Schau gestellt. Seitdem ist Münster auch wieder eine überwiegend katholische Stadt.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts drohte der Turm der Lambertikirche einzustürzen und die gegenüberliegenden Häuser zu beschädigen, so dass er abgetragen werden musste. Der neue, um die Jahrhundertwende fertiggestellte jetzige Turm gilt als eine verkleinerte Kopie des Freiburger Münsterturms. Am Westportal wurden wir auf die Figuren der Evangelisten aufmerksam gemacht. Zwei dieser Figuren tragen auffällig die Gesichtszüge der (protestantischen) deutschen Dichterfürsten Goethe und Schiller. Damit sollte der Wunsch nach einer Verbesserung des durch den Kulturkampf im ausgehenden 19. Jahrhundert angespannten Verhältnisses zwischen der katholischen Kirche und dem Staat zum Ausdruck gebracht werden.

 

Damit endete unser zwar kleiner, aber doch sehr informativer und unterhaltsamer Stadtrundgang. Anschließend war noch genügend Zeit für einen Bummel durch die Geschäfte oder auch für eine Tasse Kaffee. Und auf der Heimfahrt war man sich durchweg einig, wieder einen schönen Tag verbracht zu haben.

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Rosemarie Fritzen, Manfred Winkler

 

Unsere Fahrt nach Kalkar am 17. August 2021

 

Als wir uns nach der längeren Corona-Zwangspause endlich wieder zu unserem Stammtisch treffen konnten, wurde auch der Wunsch nach einer Fahrt geäußert. Weil weitere Fahrten jedoch noch nicht möglich sind, sollte das Ziel in der näheren Umgebung liegen. Da passte es gut, dass es vor wenigen Wochen in der Wochenendbeilage der WAZ/NRZ einen Bericht über die historische Altstadt von Kalkar gab. Dadurch angeregt entschieden wir uns dafür, der kleinen Stadt am Niederrhein einen Besuch abzustatten.

 

Am 17. August machten wir uns dann mit 24 Teilnehmern auf den Weg. Kalkar ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, uns so kamen wir nach etwa anderthalb Stunden an unserem Ziel an.

 

Es fehlte an diesem Tag zwar der Sonnenschein, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Nachdem wir uns zunächst auf eigene Faust ein wenig umgesehen und uns danach gestärkt hatten, begann unsere Stadtführung. Und da sollte gleich ein Lob fällig werden, denn der sehr gute Stadtführer verstand es, uns seine Stadt lebendig und gut verständlich vorzustellen.

 

Kalkar wurde im Jahr 1230 gegründet und erhielt etwa 1242 bereits Stadtrechte. Es ist keine in Jahrhunderten gewachsene Siedlung, sondern eine von Anfang an planmäßig angelegte Stadt. Das Selbstbewusstsein der damaligen Bürgerschaft zeigt sich heute noch in dem eigentlich viel zu großen gotischen Rathaus am Markt.

 

Anfang 1945 wurde Kalkar durch die Ereignisse des 2. Weltkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen, allerdings konnte durch einen gelungenen Wiederaufbau das historische Stadtbild weitestgehend erhalten werden.

 

Leider hatte es kurz vor Beginn der Führung angefangen zu regnen. Deshalb entschied sich unser Stadtführer dafür, den Stadtrundgang abzukürzen und uns die für ihre Schnitzaltäre berühmte St. Nikolai-Kirche zu zeigen. Wenn man die Kirche betritt, fallen dem Betrachter zunächst die modernen bunten Fenster auf. Diese sollen den Erläuterungen unseres Stadtführers zufolge den Ablauf des Tages vom frühen Morgen bis in die Nacht und damit auch den Lebenslauf des Menschen darstellen. Inwieweit die Fenster, die an diesem Tag auf Grund des Wetters den Kirchenraum sehr dunkel machten, mit den gotischen Schnitzaltären zusammenpassen, muss jeder Betrachter für sich selbst entscheiden. Nach der Besichtigung der Kirche endete die Stadtführung.

 

Eigentlich war es vorgesehen, dass wir uns danach noch individuell in der Stadt umsehen wollten. Allerdings machte uns da das diesjährige „Sommerwetter“ einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Der anfängliche leichte Regen hatte sich zu einem regelrechten Landregen entwickelt, und der Blick zum Himmel verhieß keine Aussicht auf Besserung. Deshalb entschieden wir uns dafür, wenn auch nicht gerne, mit der nächsten Fahrgelegenheit den Rückweg anzutreten. Schade eigentlich, denn die schöne kleine Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten hätte sicherlich noch mehr Beachtung verdient.

 

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp

Unsere Fahrt zum Freilichtmuseum Hagen am 23. September 2020

 

Als wir nach einem Ziel suchten, dass wir in der jetzigen Zeit im Monat September ansteuern könnten, fiel uns die Fahrt zum Freilichtmuseum in Hagen ein, die wir im April 2016 bei kaltem und sprichwörtlichen Aprilwetter unternommen hatten. Dabei wurde der Wunsch geäußert, doch diese Fahrt noch einmal bei hoffentlich besserem Wetter zu wiederholen.

 

Und so machten wir uns am ersten Herbsttag des Jahres mit 15 Teilnehmern auf den Weg. Was das gute Wetter anging, hatte sich unser Wunsch schon bei der Abfahrt erfüllt. Durch die Sperrung der Bahnlinie zwischen Duisburg und Essen mussten wir wohl einen Umweg über Düsseldorf und Wuppertal in Kauf nehmen, und da etliche Züge ebenfalls über diese Stecke umgeleitet wurden, kamen wir etwa eine Stunde später als ursprünglich vorgesehen an unserem Ziel an, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat.

 

Bei der Einrichtung des Freilichtmuseums, auch das Westfälische Landesmuseum für Handwerk und Technik in Hagen genannt, hatte man seinerzeit in verschiedenen Dörfern im Sauer- und Siegerland baufällige Fachwerkhäuser abgetragen, diese nach Hagen gebracht und dort auf dem Museumsgelände wieder rekonstruiert, wo sie heute die malerische Kulisse für etliche historische Handwerksbetriebe bilden. Auch die Einrichtungen dieser Handwerksbetriebe hatte man seinerzeit teilweise aus Dörfern und Städten der weiteren Umgebung zusammengetragen.

 

Von einer Themenführung wie bei unserem ersten Besuch hatten wir dieses Mal abgesehen. Ungeachtet dessen, dass eine solche Führung zeitiger hätte angemeldet werden müssen, wären nur kleine Führungsgruppen möglich gewesen, die Corona-bedingt innerhalb der Häuser und Werkstätten nicht durchgeführt werden durften, sondern nur im Freien vor den jeweiligen Gebäuden. Allerdings gab es vor den meisten der Werkstätten Tafeln mit sehr guten Erläuterungen, und die zahlreichen Mitarbeiter auf dem Museumsgelände standen bei Fragen gern Rede und Antwort, so dass sich eine Führung erübrigte.

 

Es gab jedoch für diejenigen, die vor 4 Jahren bereits dabei gewesen waren, auch einen kleinen Wermutstropfen. Bei der Planung zu dieser Fahrt hatte man sich an das herrlich duftende, frische warme Brot aus der Bäckerei erinnert, und man hatte sich vorgenommen, dieses wieder einzukaufen und mitzunehmen. Leider mussten wir dann erfahren, dass vor uns bereits zwei unangemeldete Gruppen dagewesen waren und die gesamten Vorräte der Bäckerei aufgekauft hatten, so dass uns nur ein enttäuschter Blick auf das Schild „Ausverkauft“ blieb.

 

Ungeachtet dieser kleinen „Enttäuschung“ waren sich jedoch alle einig, dass wir wieder einen schönen und abwechslungsreichen Ausflug unternommen haben. Angesichts der derzeitigen Situation hoffen wir, dass es uns auch künftig möglich sein wird, unsere Ausflüge zu unternehmen.

 

 

Manfred Winkler

 

 

Bilder: Irmgard Monderkamp, Manfred Winkler

Unsere Fahrt zur Dechenhöhle am 25. August 2020

 

Bei unserem ersten Treffen nach der Lockerung der durch die Corona-Krise bedingten Kontaktsperre hatten wir beschlossen, mit einer kleineren Gruppe die ursprünglich für April geplante Fahrt zur Dechenhöhle nachzuholen. Und so machten wir uns am 25. August - selbstverständlich unter Beachtung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln – zunächst mit 18 Teilnehmern auf den Weg.

 

Die Anreise mit der Bahn ist sehr bequem, da die Dechenhöhle über einen eigenen Bahnhof verfügt. Nach etwas mehr  als eineinhalb Stunden Fahrt hatten wir diesen Haltepunkt erreicht, von wo es nur noch wenige Schritte bis zum Eingang waren. Zunächst hatten wir die Gelegenheit, uns in dem zur Höhle gehörenden Museum umzusehen. Während der etwa 40-minütigen Führung verstand es der Höhlenführer ausgezeichnet, den Besuchern die einzelnen Bereiche kurzweilig vorzustellen und auf die Besonderheiten aufmerksam zu machen.

 

Allerdings gibt es an der Dechenhöhle selbst keine Einkehrmöglichkeiten. Deshalb entschieden wir uns nach der Führung dafür, nach Iserlohn weiterzufahren, wo wir uns dann in kleinen Gruppen in der Stadt umsehen wollten. Wie bei einigen vorherigen Fahrten war es auch hier wieder erstaunlich festzustellen, wie kleinere Städte mit einem attraktiven Angebot an Geschäften ihre Innenstadt beleben können. Auch die Kreativität, die Abstandsregeln einhalten zu können, war mitunter bewundernswert. So hatte ein von uns besuchtes Café einige Tische mit großen Teddybären ("Abstands-Bären“) besetzt. So war sichergestellt, dass für die Gäste an den einzelnen Tischen der erforderliche Abstand gewahrt war.

 

Nachdem wir unsere Aktivitäten beinahe ein halbes Jahr hatten ruhen lassen müssen, war die Fahrt zur Dechenhöhe zunächst ein Versuch, den man rückblickend durchweg als gelungen bezeichnen kann. Allen Teilnehmern war es von vornherein klar, dass die Fahrt nur unter Beachtung der geltenden Bestimmungen sowie nur auf eigene Verantwortung und unter Berücksichtigung der eigenen Risikoabschätzung erfolgen konnte. Und so gab es auch keinerlei Probleme mit der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Vorbehaltlich der weiteren Entwicklung sollte es damit möglich sein, auch künftig kleinere Fahrten zu unternehmen.

 

 

Manfred Winkler

Fahrt nach Wülfrath mit Besuch des Niederbergischen Museums
am 19. Februar 2020

 

Am 19. Februar 2020 stand ein Besuch des Niederbergischen Museums in Wülfrath mit einer Bergischen Kaffeetafel auf unserem Programm. Leider erhielten wir kurzfristig noch einige krankheitsbedingte Absagen, dennoch waren wir wieder mit 35 Netzwerkern unterwegs.

Obwohl Wülfrath auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erreichen ist, war unser Ziel für etliche von uns Neuland. Nach einem Bummel durch die kleine sehenswerte Altstadt mit ihren Geschäften, vielleicht auch einem Café- oder Restaurantbesuch, fanden wir uns dann am Niederbergischen Museum ein.

 

Das erste Highlight nach der Begrüßung war die Bergische Kaffeetafel.

Nach der Kaffeetafel und einer angeregten Unterhaltung konnten wir uns auf einem Rundgang durch das Museum einen Überblick auf die vielen verschiedenen Exponate aus der Zeit unserer Großeltern- und Urgroßeltern-Generation verschaffen. So waren unter anderem in der Küche auch jene Gerätschaften zu bewundern, die den Volksmund zu der Aufforderung „Jetzt leg mal einen Zacken zu“ inspirierten: Haken, die wie Sägeblätter aussahen und an denen die Töpfe über dem offenen Feuer hingen. Wählte man einen „Zacken“, der den Topf näher an die Glut brachte, war das Essen schneller fertig.

Interessierte hatten auch die Gelegenheit, sich an mehreren Guckkästen Fotos aus dieser Zeit anzusehen. Sehr interessant war ebenfalls im Obergeschoss die rekonstruierte Einrichtung einer Apotheke.

Einen weiteren wesentlichen Teil der Ausstellung nahmen die im nahen Flandersbach beheimateten Wülfrather Kalksteinwerke ein, die auch heute noch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region sind. Das dort gewonnene Material wird unter anderem in der Stahlindustrie als Zuschlagstoff verwendet.

 

Zum Abschluss des Museumsbesuchs stand noch eine Filmvorführung zu einem ausgewählten Thema aus der Kultur- und Technikgeschichte des Bergischen Landes auf dem Programm. Unserem Wunsch entsprechend sahen wir einen Film über das Brotbacken in früheren Jahren auf dem Lande, wie es teilweise noch bis in die 1950er Jahre üblich war. Auch wenn anhand der alten schwarz-weißen Aufnahmen erkennbar war, dass der Film nicht im Bergischen Land, sondern im deutsch-niederländischen Grenzgebiet entstanden war, konnte man doch einen Eindruck darüber gewinnen, welche harte körperliche Arbeit erforderlich war, bis das Brot fertig gebacken war.

 

Das Niederbergische Museum in Wülfrath wurde 1913 von dem örtlichen Volksschulrektor gegründet. Zu Anfang handelte es sich lediglich um eine geologisch-mineralogische Sammlung. Später wurden dann volks- und naturkundliche Bestände sowie die Geschichte der Wülfrather Kalksteinindustrie in die Sammlung aufgenommen. Im Jahr 2004 zog sich die Stadt Wülfrath wegen fehlender Haushaltsmittel aus dem Museum zurück. Seit 2006 wird das Museum durch einen privaten Trägerverein geführt. Wie wir während des Rundgangs erfuhren, fehlt leider auch hier der Nachwuchs, so dass man mit einigen Sorgen in die Zukunft blickt. Wünschen wir dem Museum und den engagierten Mitgliedern des Trägervereins, dass sich doch noch der so dringend gesuchte Nachwuchs findet, damit das sehenswerte Museum auch in Zukunft erhalten bleibt.

 

Manfred Winkler

Fahrt zum Haus der Geschichte in Bonn am 21. Januar 2020

 

Für unsere erste Fahrt im neuen Jahr hatten wir uns erneut das Haus der Geschichte in Bonn ausgesucht und dort für den 21. Januar einen Termin für eine Führung erhalten. Allerdings wurde der Ausflug beinahe im letzten Moment noch einmal in Frage gestellt. Am Vorabend war bei Bauarbeiten in Köln ein Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt worden, der nur am nächsten Tag bei Tageslicht freigelegt und vom Kampfmittelräumdienst entschärft werden konnte. Dazu mussten der Bahnhof in Köln-Deutz sowie Hohenzollernbrücke zum Kölner Hauptbahnhof gesperrt werden. Am frühen Morgen des 21. Januar hieß es dann auf der Seite der Deutschen Bahn, dass im Kölner Raum bis etwa 16.00 Uhr mit Zugausfällen bzw. erheblichen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs zu rechnen sei, so dass sich für uns die Frage stellte, ob wir die Fahrt nicht kurzfristig absagen sollten. Bei einem Anruf bei National Express, dem Betreiber unseres Zuges, wurden wir jedoch dahingehend beruhigt, dass unser Zug ohne Halt von Leverkusen bis Brühl umgeleitet werden sollte und dass wir Bonn auf jeden Fall erreichen würden, auch wenn eine pünktliche Ankunft nicht gewährleistet werden könnte.

 

Als wir dann in Düsseldorf auf die Weiterfahrt warteten, kam eine Durchsage, dass die Streckensperrung aufgehoben wäre und alle vorgesehenen Bahnhöfe angefahren würden. Der Kampfmittelräumdienst hatte also schnelle Arbeit geleistet, und so kamen wir zwar mit einer 20-minütigen Verspätung in Bonn an, aber wir erreichten das Haus der Geschichte dennoch so rechtzeitig, dass unsere Führung wie vorgesehen um 14.00 Uhr beginnen konnte.

 

Im Haus der Geschichte wird der Besucher umfangreich über die politische und kulturelle Entwicklung unseres Landes von 1945 bis in die Gegenwart informiert. Wegen der hohen Teilnehmerzahl (dieses Mal hatten sich 39 Netzwerker/innen zu unserer Fahrt eingefunden) wurden wir in 2 Führungsgruppen aufgeteilt. Zu Beginn wurde die Nachkriegszeit von 1945 an thematisiert. Behandelt wurden der Zusammenbruch, die Flüchtlinge und Aussiedler aus den deutschen Ostgebieten sowie die Mangelwirtschaft in dieser Zeit. So sahen wir unter anderem Kochgeschirr und Küchensiebe, die aus Stahlhelmen hergestellt worden waren oder auch Aschenbecher aus Granatenhülsen. Sehr beeindruckend war ein Kommunionkleid, das eine Mutter mangels geeignetem Stoff aus weißen Mullbinden für den Ehrentag ihrer Tochter genäht hatte. Durch den Mangel blühten auch der Tauschhandel sowie der Schwarzmarkt. Erst durch den Marshallplan und die Währungsreform von 1948 in den westlichen Besatzungszonen besserte sich die Versorgungslage. Als Reaktion auf die Währungsreform wurden von der Sowjetischen Besatzungsmacht die Landwege zu den 3 westlichen Sektoren von Berlin abgeriegelt, die dann durch die Luftbrücke versorgt wurden. Wenn man den im Vergleich zu heutigen Flugzeugen verhältnismäßig kleinen Innenraum des ausgestellten Luftbrücken-Fliegers sieht, kann man sich in etwa die enorme logistische Leistung vorstellen, die damals erbracht wurde, um die West-Berliner Bevölkerung aus der Luft mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen.

Nachfolgend wird die politische Entwicklung in den damals entstandenen beiden deutschen Staaten behandelt. So nehmen das 1949 entstandene Grundgesetz oder auch die Wiederbewaffnung für die Bundesrepublik sowie der Versuch der politischen Einflussnahme durch die Machthaber der DDR auf die dort lebenden Menschen einen wesentlichen Bereich der Ausstellung ein. Damit verbunden sind auch der Volksaufstand in der DDR von 1953, der mit Hilfe von sowjetischen Panzern niedergeschlagen wurde, die Befestigung der innerdeutschen Grenze sowie der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961.

Anhand der ausgestellten Waren aus dieser Zeit wird das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik, das durch die Politik des damaligen Wirtschaftsministers Ludwig Erhard möglich wurde, verdeutlicht. Der VW-Käfer war wohl der bekannteste PKW, den sich allerdings die wenigsten leisten konnte.

Das neue Medium Fernsehen spielte damals noch keine große Rolle, und so gab es eine große Anzahl von Lichtspielhäusern, die gerne besucht wurden. Auch die damals bekannte Zeitschrift „Hör Zu“ enthielt in der Hauptsache das Hörfunkprogramm, das bescheidene Fernsehprogramm zu dieser Zeit fristete lediglich ein Nischendasein.

Der Musikgeschmack änderte sich ebenfalls. Englischsprachige Titel, die man immer öfter hörte und die bei der Jugend sehr beliebt waren, fanden nicht immer den Beifall ihrer Elterngeneration. Des weiteren sorgten Veränderungen im Leben der Frau für Irritationen bei der älteren Generation. Hausfrau und Mutter zu sein war auf einmal nicht mehr das Maß aller Dinge im Leben einer Frau, auch für modische Veränderungen wie den Minirock oder auch für die von der katholischen Kirche verbotene Anti-Baby-Pille fehlte vielfach das Verständnis.

Ein weiteres Thema der Ausstellung sind die Studentendemonstrationen der 60er Jahre sowie die politischen Umwälzungen, als mit Willy Brandt erstmals ein Sozialdemokrat das Amt des Bundeskanzlers übernimmt, der die Aussage „Mehr Demokratie wagen“ macht und der den Friedensnobelpreis erhält.

Durch den technischen Fortschritt in dieser Zeit steigt überall in der Welt die Nachfrage nach Waren aus der Bundesrepublik Deutschland, aber ebenso werden im großen Umfang Waren wie Unterhaltungselektronik oder Kameras aus Fernost importiert. Der Arbeitsmarkt boomt bereits seit den 50er Jahren, und so werden ausländische Arbeitskräfte – die sogenannten „Gastarbeiter“ – zunächst aus Italien, später auch aus anderen Ländern, angeworben.

Weitere Veränderungen gab es durch die erste Mondlandung im Jahr 1969. In der Werbung spielten auf einmal Raketen eine Rolle, auch Kaugummiautomaten hatten diese Form, und selbst das Sandmännchen des DDR-Fernsehens kam in einem Raumfahrzeug zu den Kindern.

Die politischen Veränderungen der 80er Jahre, beginnend mit Lech Walesa und der polnischen Gewerkschaftsbewegung in Danzig, die sich im Mauerfall 1989 und letztlich in der deutschen Wiedervereinigung fortsetzen, sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Ausstellung im Haus der Geschichte. Von großem Interesse war auch die Reproduktion des Zettels von Günter Schabowski, mittels dem er bei einer Pressekonferenz am 9. November 1989 die neuen Reiseregelungen der DDR bekannt gab und damit letztendlich die Grenzöffnung am gleichen Abend auslöste.

Da die Entwicklung stetig weitergeht, dürfen auch die Drohne oder die künstliche Intelligenz nicht fehlen. Wie die Leiterin unserer Führung sagte, wurde in jüngster Zeit das Haus der Geschichte durch Eintragungen von Jugendlichen in das Gästebuch darauf aufmerksam gemacht, und dieser Hinweis wurde dementsprechend aufgenommen.

 

Bei einer Führung durch das Haus der Geschichte kann der Besucher lediglich auf bestimmte Schwerpunkte hingewiesen werden. Die Vertiefung in einzelne Bereiche kann man jedoch nur bei einem individuellen Besuch vornehmen. Wie dann auch aus verschiedenen Gesprächen während der Rückfahrt zu entnehmen war, sind solche Besuche von etlichen Teilnehmern an unserem Ausflug durchaus für die Zukunft vorgesehen.

 

Manfred Winkler

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